
Eavor testet einen geschlossenen geothermischen Kreislauf in Bayern
Ein innovatives Projekt nimmt in der deutschen Ortschaft Geretsried Gestalt an. Das kanadische Unternehmen Eavor Technologies setzt hier eine andere Methode zur Erzeugung geothermischer Energie um, die das Suchen nach natürlichen Vorkommen von heißem Wasser vermeidet. Stattdessen baut es einen künstlich abgedichteten Kreislauf in großer Tiefe, der als massiver Wärmetauscher fungiert. 🔧
Funktionsweise des unterirdischen Radiators
Die Technologie, genannt Eavor-Loop, basiert darauf, zwei vertikale Bohrlöcher zu bohren, die durch mehrere horizontale Leitungen verbunden werden und ein ausgedehntes Netz unter der Erde bilden. Ein spezielles Fluid zirkuliert durch dieses Labyrinth, nimmt die Wärme des umgebenden Gesteins auf und steigt auf. An der Oberfläche wandelt eine thermoelektrische Anlage diese Wärmeenergie in Strom um, ohne dass Dampf oder Wasser aus dem Untergrund extrahiert werden müssen. Dieser Prozess ist vollständig autonom.
Schlüsselkomponenten des Systems:- Eingangs- und Ausgangsbohrlöcher: Verbinden die Oberfläche mit dem tiefen Netz.
- Horizontale Leitungen: Erstrecken sich durch das heiße Gestein, um die Wärmetauscherfläche zu maximieren.
- Arbeitsfluid: Zirkuliert in einem geschlossenen Kreislauf und erwärmt sich kontinuierlich.
Dieser Ansatz löst traditionelle Einschränkungen der Geothermie und ermöglicht die Umsetzung von Projekten an zuvor nicht geeigneten Standorten.
Überwindung der Barrieren der klassischen Geothermie
Konventionelle geothermische Systeme hängen davon ab, Vorkommen mit heißem Wasser und durchlässigem Gestein zu finden. Der geschlossene Kreislauf von Eavor eliminiert diese Anforderung und erweitert damit enorm die geographischen Zonen, in denen Installationen möglich sind. Zudem mindert er Risiken, die mit anderen Methoden verbunden sind, wie Druckverlust in Bohrlöchern oder induzierte Mikroerdbeben durch das Fracken des Gesteins.
Hauptvorteile der geschlossenen Methode:- Unabhängigkeit von Wasservorkommen: Verbraucht oder kontaminiert keine unterirdischen Grundwasserleiter.
- Geringere seismische Auswirkungen: Da keine aggressive hydraulische Stimulation erforderlich ist, reduziert sich dieses Risiko.
- Flexible Standortwahl: Kann in Regionen ohne offensichtliche oberflächennahe geothermische Aktivität installiert werden.
Ein Einsatz für die Erdwärme
Dieses Projekt in Bayern weist einen ergänzenden Weg zu Solar- und Windenergie auf. Es zeigt, dass es möglich ist, tiefgehende Infrastruktur zu bauen, um die Erdwärme konstant und vorhersehbar zu nutzen. Was wie Science-Fiction klingt, ist bereits technische Realität unter europäischem Boden und bietet eine solide Alternative zur Dekarbonisierung der Energieversorgung. 🌍