Das Projekt „Treasure Hunt“ von Agnes Herr für das Ferenczy-Museum ist kein herkömmlicher Katalog. Sein mehrspaltiges Raster und der kontrastreiche Schriftsatz dokumentieren Gemeinschaftsarchäologie mit einer Struktur, die an den Ausgrabungsprozess selbst erinnert. Für den Designprofi wirft diese Arbeit eine unbequeme Frage auf: Wie viele technische Berichte könnten von einer solchen visuellen Disziplin profitieren, ohne in unnötige Verzierung abzugleiten?
Monospace und Serif: die Kombination, die Daten und Stimme ordnet 🏛️
Die typografische Lösung trennt zwei Ebenen klar voneinander. Monospace-Schriften sind technischen Daten, Koordinaten und Messungen vorbehalten, während die Serifenschrift den historischen und sozialen Kontext erzählt. Diese Unterscheidung ist nicht kosmetischer Natur: Sie ermöglicht es der Leserschaft, zwischen Informationsebenen zu springen, ohne den Faden zu verlieren. Die offene Rückenbindung verstärkt die Idee des Prozesses, indem sie die Struktur des Buches wie einen stratigrafischen Schnitt zeigt. Das Ergebnis beweist, dass akademische Strenge nicht den Verzicht auf eine zeitgenössische Ästhetik erfordert, sondern dass beide koexistieren können, wenn jedes Element eine spezifische Funktion erfüllt.
Offene Rückenbindung: wenn das Buch seine Nähte offenbart 📖
Anders als bei jenen institutionellen Bänden, die wie mit Zement versiegelt wirken, lässt der offene Rücken hier die Fadenheftung sichtbar werden. Es ist fast ein Akt redaktioneller Ehrlichkeit: Das Buch gibt zu, dass es konstruiert ist, genauso wie die Grabungsstätte zugibt, dass sie Spaten für Spaten bewegt wurde. Natürlich gibt es immer jene, die ihre Berichte lieber mit festem Einband und absoluter Geheimnistuerei mögen, als ob der Inhalt über den Rücken entweichen könnte. Doch „Treasure Hunt“ setzt darauf, die Innereien zu zeigen, und dieser Schachzug funktioniert. Wenn sich das nächste Mal jemand darüber beschwert, dass ein Katalog langweilig ist, sollte er zuerst einen Blick darauf werfen, wie er gebunden ist.