Der globalisierte Tourismus hat das Reiseerlebnis zu einem vakuumverpackten Produkt gemacht. Uns wird verkauft, dass das Kennenlernen der Welt bedeutet, Flughäfen zu sammeln, Selfies vor Denkmälern zu machen und Stempel im Pass zu sammeln. Aber der moderne Reisende verirrt sich nicht mehr, wird nicht wirklich schmutzig, muss nicht aus Notwendigkeit eine andere Sprache lernen. Er kehrt mit dem gleichen Geist nach Hause zurück wie immer, nur mit mehr Filtern auf dem Handy und ohne jemals dem Anderen in die Augen gesehen zu haben.
Die algorithmische Blase als Ersatz für den Orientierungssinn 🧭
Die technologische Entwicklung hat die Unsicherheit aus dem Reisen genommen. Karten-Apps, Instant-Übersetzer und Massenbewertungen verwandeln jede Gasse in einen georeferenzierten Punkt. Der Reisende handelt keine Preise aus, entziffert keine Schilder, kommuniziert nicht mit Gesten. Die Erfahrung wird durch einen Bildschirm gefiltert, der diktiert, wo man isst, was man sieht und wie man hinkommt. Das Ergebnis ist eine reibungslose Fortbewegung, eine Komfortblase, die die echte Berührung mit dem Unbekannten verhindert. Die Technologie hat, anstatt Türen zu öffnen, einen klimatisierten Korridor gebaut.
Das teuerste Souvenir: ein Foto ohne Erinnerung 📸
Der Gipfel ist erreicht, wenn der Tourist tausend Euro für einen Flug ausgibt, um zwei Stunden anzustehen, ein Foto zu machen, das er schon tausendmal auf Instagram gesehen hat, und ins Hotel zurückzukehren, um sein Handy aufzuladen. Dann prahlt er damit, die Welt entdeckt zu haben, aber das Einzige, was er entdeckt hat, war, dass das WLAN am Flughafen schneller ist als im Hostel. Reisen, ohne sich zu verlieren, ist wie Essen ohne Kauen: Es macht satt, aber es nährt nicht. Und obendrein ist das teuerste Souvenir eine SIM-Karte mit unbegrenztem Datenvolumen.