Sunao Katabuchi, ehemaliger Mitarbeiter von Hayao Miyazaki, hat sich eine Karriere aufgebaut, die auf historischer Genauigkeit und alltäglicher Menschlichkeit basiert. Sein bekanntestes Werk, In diesem Winkel der Welt, schildert das Leben im Japan des Zweiten Weltkriegs mit einer dokumentarischen Detailtreue, die sich nur wenige Animatoren trauen. Doch zuvor überraschte er alle, indem er Episoden von Black Lagoon inszenierte, einer Actionserie, die mit seinem ruhigen Stil wenig gemein hat. Wie kann ein und derselbe Regisseur von Kugeln zu Atombomben wechseln? 🎬
Historische Recherche als Motor der Animation 📜
Katabuchi gibt sich nicht mit hübschen Hintergründen zufrieden. Für In diesem Winkel der Welt reiste er nach Kure, interviewte Überlebende und studierte, wie in den 1940er Jahren gekocht, gekleidet und gearbeitet wurde. Jede Szene der Protagonistin Suzu, vom Reiskugelnformen bis zum Blick aufs Meer, basiert auf echten Daten. Seine Animationstechnik vermeidet übermäßige Bewegung und konzentriert sich auf kleine Gesten: eine zitternde Hand, ein verlorener Blick. Das ist schwieriger, als Explosionen zu zeichnen, und das wissen sie.
Von Kugelhagel zu Reiskugeln: Katabuchis Doppelleben 🎯
Ja, derselbe Mann, der liebevoll den Geruch von Schießpulver im Krieg nachbildete, schrieb auch Drehbücher für Black Lagoon, wo Söldner ununterbrochen schießen und verschwitzte T-Shirts die offizielle Uniform sind. Es scheint, als wollte Katabuchi beweisen, dass er sowohl rasante Schießereien als auch Hummeln über einem Kohlfeld zeichnen kann. Am Ende geht es ihm ums Detail: sei es der Glanz einer Kugel oder die Textur eines Kimonos. Ein Regisseur, der beides macht, ohne sich anzustrengen – das nenne ich Vielseitigkeit.