Die Madrider Schriftstellerin Rosa Montero debütiert im Musiktheater mit El día antes, einem Werk, das das 75-jährige Jubiläum des Wiener Festivals eröffnet. Das Libretto ist inspiriert von Homers Ilias und dem Denken Simone Weils und erforscht die apokalyptische Kriegsthematik aus einer zeitgenössischen Perspektive. Die Produktion vereint Text, Musik und philosophische Reflexion in einer großformatigen Inszenierung.
Wie man eine szenische Apokalypse mit integrierter Technologie konstruiert 🎭
Die Inszenierung verwendet Echtzeitprojektionen und Beleuchtungssysteme, die mit der Orchesterpartitur synchronisiert sind. Die Schauspieler tragen Headset-Mikrofone, um auf einer mehrstöckigen Bühne beweglich zu bleiben. Das Sounddesign nutzt Richtlautsprecher, um eine immersive Atmosphäre zu schaffen, ohne den Zuschauer zu überfordern. Das modulare Bühnenbild ermöglicht schnelle Übergänge zwischen den homerischen Passagen und den zeitgenössischen Monologen, alles gesteuert von einem zentralen digitalen Pult.
Simone Weil, Homer und das WLAN des Olymp 📡
Hätten die alten Griechen soziale Netzwerke gehabt, hätte Achilles seinen Zorn auf Agamemnon getwittert und Hektor Live-Streams von den Mauern Trojas gemacht. Aber in El día antes entscheidet sich Montero für einen klassischeren Ansatz: ohne Memes oder Filter, nur Schauspieler, die unter LED-Scheinwerfern schwitzen, und eine französische Philosophin, die bereits warnte, dass der Krieg immer dasselbe Drehbuch wiederholt. Zumindest verspricht das Festival eine Klimaanlage.