Die Staatsanwaltschaft von Pavia behauptet, dass Andrea Sempio nicht zufällig Stunden nach dem Mord an Chiara Poggi am 13. August 2007 am Haus der Familie Poggi in Garlasco vorbeikam. Laut den Staatsanwälten log der damals 19-Jährige, als er angab, dort vorbeigefahren zu sein, nachdem er einen Krankenwagen bemerkt hatte, da die Route vom Haus seiner Großmutter nicht über die Via Pascoli führte. Die Ermittler halten es für unglaubwürdig, dass er aus der Entfernung und mit zwei Kreisverkehren dazwischen den Tatort sehen konnte.
Workflow zur Überprüfung geografischer Alibis 🗺️
Um Sempios Aussagen mit der physischen Realität zu vergleichen, kann eine forensische Pipeline basierend auf 3D-Technologien implementiert werden. Der Prozess beginnt mit der Erfassung von Umgebungsdaten mittels Luftphotogrammetrie mit Drohnen und terrestrischem LiDAR-Scanning der Via Pascoli, der Kreisverkehre und der alternativen Routen. Aus diesen Daten wird ein digitales Geländemodell (DGM) und ein texturiertes Netz der Nachbarschaft generiert. Anschließend wird das Modell in eine Trajektoriensimulationssoftware wie Blender oder Unity importiert, wo die exakte Route des Fahrzeugs von Sempio und seinem Vater nachgebildet wird. Parameter wie die Körpergröße des Fahrers, der Blickwinkel und die Tageszeit (mit Sonnenbeleuchtung vom 13. August um 16:00 Uhr) werden hinzugefügt, um die Sichtlinie zum geparkten Krankenwagen zu berechnen. Die Okklusionsanalyse ermöglicht es zu bestimmen, ob Hindernisse (Bäume, Gebäude, die Kreisverkehre) die Sicht blockierten, und validiert oder widerlegt so das Alibi.
Der Wert der räumlichen Simulation in der gerichtlichen Untersuchung 🔍
Dieser Ansatz zeigt, dass die 3D-Rekonstruktion nicht nur zur Dokumentation eines Tatorts dient, sondern auch zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen anhand objektiver Daten. Im Fall Sempio könnte die Simulation aufdecken, ob der Angeklagte bezüglich seiner Route log oder ob es im Gegenteil einen toten Winkel gab, der seine Version möglich machte. Die Verteidigung, angeführt von den Anwälten Angela Taccia und Liborio Cataliotti, könnte dieselben Modelle nutzen, um die Schlussfolgerungen der Staatsanwaltschaft anzufechten. In der Zwischenzeit fügt die Anfrage an Meta zur Wiederherstellung gelöschter digitaler Spuren eine weitere Datenschicht zu den Akten hinzu und unterstreicht die Notwendigkeit, mehrere Quellen in einer soliden forensischen Pipeline zu integrieren.
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