Fußgängertote: Die sicherere Seite tötet am meisten

05. May 2026 Veröffentlicht | Aus dem Spanischen übersetzt

Eine Studie der Medizinischen Universität Shiga legt eine Erkenntnis vor, die zum Umdenken beim Überqueren der Straße anregt. Von 556 Verkehrstoten innerhalb eines Jahrzehnts starben 94 Fußgänger beim Überqueren der Straße. 70 % waren über 65 Jahre alt. Die meisten Unfälle ereigneten sich nachts, auf schmalen Straßen und ohne Zebrastreifen. Der entscheidende Befund ist jedoch, dass 65 % der Fußgänger von der rechten Seite kamen, der vom Bürgersteig am weitesten entfernten Seite, genau dorthin, wo niemand hinschaut.

Eine nächtliche, schmale Straße ohne Zebrastreifen. Ein älterer Fußgänger überquert die Straße von rechts, wo kein Bürgersteig ist. Ein Auto nähert sich schnell. Eine rote Ampel blinkt im Hintergrund.

Design-Verzerrungen: Warum Sensoren nicht nach rechts schauen 🚗

Professor Kazuhiro Ichisugi weist auf ein gemeinsames Wahrnehmungsproblem hin. Fahrer überwachen die linke Seite stärker, da sie dem Bürgersteig am nächsten ist, und lassen die rechte Seite als toten Winkel zurück. Diese menschliche Verzerrung überträgt sich auch auf die aktuelle Technologie. Viele Fahrerassistenzsysteme priorisieren die Erkennung von Fußgängern auf der Fahrerseite, in der Annahme, dass das Risiko auf der anderen Seite geringer sei. Ältere Fußgänger überqueren jedoch vertrauensvoll die Straße, wenn sie den fernen Verkehr sehen, ohne die Annäherungsgeschwindigkeit zu berechnen. Das Ergebnis ist eine tödliche Kombination aus Vertrauen und Unachtsamkeit, die kein für das Vorhersehbare kalibrierter Sensor antizipieren kann.

Das Fußgänger-Paradoxon: Überqueren mit Blick auf den Horizont 🚶

Es stellt sich heraus, dass der ältere Fußgänger beim Überqueren nach vorne schaut, wie jemand, der eine Landschaft betrachtet. Er sieht ein entferntes Auto von rechts und denkt: Ich habe mehr als genug Zeit. Was er nicht sieht, ist, dass der Fahrer damit beschäftigt ist, die linke Seite zu überwachen, vielleicht an das Abendessen denkt. Während also der eine auf die Distanz vertraut und der andere auf seinen Rückspiegel, ignorieren beide, dass die Gefahr genau dort lauert, wo niemand hinschaut. Denk beim nächsten Überqueren daran: Die sicherste Seite ist die, die alle am wenigsten beachten. Ironie des Verkehrs.