Ryūsuke Hamaguchi kehrt nach Cannes zurück mit All of a Sudden, einem über dreistündigen Film, der soziale Umstrukturierung, die Macht der Kunst und die Auswirkungen des Kapitalismus miteinander verwebt. Die Geschichte folgt der Verbindung zwischen der Direktorin eines Pariser Altenheims und einer japanischen Dramatikerin mit Krebs im Endstadium. Es ist sein erstes Werk, das teilweise außerhalb Japans gedreht wurde, und vereint existenzielle Anliegen mit Gesellschafts- und Umweltkritik, während es die Humanitude-Philosophie der Altenpflege einbezieht. Er konkurriert um die Goldene Palme.
Humanitude und Kapitalismus: Die Technologie der Fürsorge angesichts der Prekarität 🏥
Hamaguchi integriert die Humanitude-Philosophie, einen Ansatz der Altenpflege, der nonverbale Kommunikation, Blickkontakt und Berührung als Werkzeuge gegen die Entmenschlichung priorisiert. Im Film prallt diese Methodik auf die kapitalistische Logik, die ältere Menschen auf Kosten und Fristen reduziert. Der Regisseur filmt mit langen, statischen Einstellungen, die den Betrachter zwingen, die reale Zeit der Pflege zu betrachten, im Gegensatz zur produktiven Beschleunigung. Eine technische Kritik an einem System, das Effizienz höher bewertet als Würde.
Drei Stunden Filmmaterial: Wenn deine Großmutter dir ohne Werbeunterbrechung ihr Leben erzählt ⏳
Drei Stunden, um über Altenheime und Kapitalismus zu sprechen. Hamaguchi hat sich vorgenommen, dass das Publikum am eigenen Leib die Zeit der Fürsorge spürt: langsam, repetitiv und ohne Möglichkeit, vorzuspulen. Wenn du mit einem Hexenschuss aus dem Kino kommst, hast du die Botschaft verstanden. Wenn deine Großmutter dich das nächste Mal bittet, sie zu besuchen, denk daran, dass du einen kürzeren Film sehen könntest. Aber nein, Hamaguchi zwingt dich, sie bis zum Ende zu begleiten.