Jeremy D. Popkin seziert die grundlegende Heuchelei Frankreichs: Während die Philosophen Freiheit und Gleichheit predigten, stützten die karibischen Kolonien, allen voran Saint-Domingue, das Imperium mit Sklavenarbeit. Die abolitionistische Debatte war, weit davon entfernt, ein Nebeneffekt von 1789 zu sein, jahrzehntelang am Köcheln und beeinflusste Schlüsselfiguren der Revolution. Ein Widerspruch, den die Aufklärung nie zu lösen wusste.
Der Algorithmus der Freiheit: Wie die Technologie die Revolution verriet ⚙️
Die Mechanisierung der Zuckerrohrverarbeitung und die Entwicklung effizienterer Mühlen in Saint-Domingue schufen eine perverse Rückkopplungsschleife. Je höher die Zuckerproduktion, desto größer die Nachfrage nach Sklavenarbeit. Der binäre Code der damaligen Zeit war einfach: landwirtschaftliche Effizienz gleich mehr Sklaven. Fortschritte in der Navigation und Hafenlogistik ermöglichten einen stetigen Zustrom von Afrikanern, was das System technisch einwandfrei und moralisch unhaltbar machte. Die Technologie optimierte die Unterdrückung.
Die Aufklärung: Als das WLAN der Gleichheit die Karibik nicht erreichte 📡
Die französischen Philosophen debattierten in beheizten Salons über Menschenrechte, während in den Kolonien das einzige Recht darin bestand, beim Zuckerrohrhacken in der Hitze zu sterben. Popkin weist darauf hin, dass Voltaire und Co. Anteile an Sklavenhaltergesellschaften besaßen, was zeigt, dass ideologische Kohärenz schon immer ein Luxus für Arme war. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren in Paris kostenlos, aber in der Karibik hatten sie einen Katalogpreis.