Asghar Farhadi kehrt mit Parallele Geschichten in den Wettbewerb zurück, einem Film, der untersucht, wie wir Fiktionen konstruieren, um das Reale zu ertragen. Der iranische Filmemacher zeigt Figuren, deren persönliche Erzählungen mit einer Welt kollidieren, die seiner Aussage nach jeden Morgen mit der Nachricht von neuen unschuldigen Ermordeten erwacht. Eine Reflexion über die Macht der Vorstellungskraft angesichts der alltäglichen Barbarei.
Technologie als Bühne unserer parallelen Fiktionen 🎭
Farhadi nutzt präzise technische Mittel, um die Dualität zwischen dem Erzählten und dem Erlebten zu veranschaulichen. Plansequenzen, die die Figuren in ihren digitalen Blasen isolieren, Montagen, die Realität und Fantasie mit harten Schnitten abwechseln, und ein Einsatz von Umgebungsgeräuschen, der an das Hintergrundrauschen sozialer Medien erinnert. Die Inszenierung spiegelt wider, wie moderne Werkzeuge unsere Geschichten verstärken, aber auch verzerren und so Schichten von Fiktion schaffen, die manchmal die Wahrheit verbergen.
Spoiler: Die Realität hat noch keinen Sicherheitspatch 🛡️
Während Farhadi uns erzählt, wie die Vorstellungskraft uns retten kann, beharrt die reale Welt darauf, jedes Horror-Drehbuch zu übertreffen. Der Regisseur beklagt, dass jeden Morgen neue Unschuldige ermordet werden, aber wir können uns zumindest damit trösten, dass wir, wenn alles schiefgeht, immer noch ein alternatives Ende schreiben können. Allerdings sollten wir nicht auf die Idee kommen, einen Neustart der Realität zu fordern: Wir haben ja gesehen, wie der vorherige ausgegangen ist.