Die 3D-Technologie ermöglicht es Staatsanwälten, Tatorte mit millimetergenauer Präzision zu rekonstruieren und so zu vermeiden, dass das menschliche Gedächtnis oder handgezeichnete Skizzen im Prozess Zweifel hinterlassen. Ein klares Beispiel ist die Nachstellung eines Verkehrsunfalls: Mit einem Laserscanner wird die exakte Position der Fahrzeuge, die Bremsspuren und die Schäden erfasst. Programme wie RealityCapture oder Agisoft Metashape verarbeiten die Punktwolken, um interaktive Modelle zu erstellen, die das Gericht in 3D erkunden kann.
Forensische Modellierung: vom Punkt zu verwertbaren Daten 🛠️
Der forensische Arbeitsablauf beginnt mit einem Scanner wie dem Leica RTC360 oder einer Drohne mit Fotogrammetrie (DJI Phantom 4 RTK). Die Rohdaten werden in Software wie CloudCompare oder Autodesk ReCap bereinigt. Anschließend werden sie in Blender oder Cinema 4D importiert, um Projektilbahnen zu animieren oder den Sturz eines Opfers zu simulieren. Werkzeuge wie FARO Zone 3D ermöglichen die Berechnung von Entfernungen und Winkeln direkt auf dem 3D-Netz und erstellen Sachverständigengutachten, die als interaktives PDF exportiert werden. Der Richter kann das Modell auf seinem Tablet drehen.
Der 3D-Staatsanwalt: jetzt auch 3D-Modellierer (und Straßenfeger) 😅
Der Spaß beginnt, wenn der Staatsanwalt entdeckt, dass er neben der Vernehmung von Zeugen auch drei Stunden damit verbringen muss, Punktwolken von Rauschen zu bereinigen, das von einer vorbeifliegenden Fliege verursacht wurde. Oder wenn der Verteidiger fragt: Und wer hat den Scanner kalibriert? Ihr 15-jähriger Neffe?. Am Ende ist das 3D-Modell so detailliert, dass sogar die Großmutter des Angeklagten den Kaffeefleck sehen kann, den der Forensiker am Tatort hinterlassen hat. Technologie, die nicht lügt, die einen aber zwingt, Techniker, Anwalt und manchmal auch digitaler Straßenfeger zu sein.