Vor 45 Jahren legten die Bauarbeiten der Metro unter dem Untergrund von Sevilla ein jahrtausendealtes Geheimnis frei: die Überreste eines andalusischen Schiffes aus dem 11.-12. Jahrhundert. Nun wendet ein Forscherteam modernste 3D-Technologie an, um es digital zu rekonstruieren. Das vom Archäologischen Museum Sevilla geleitete Projekt zielt darauf ab, die Geheimnisse des islamischen Schiffbaus zu lüften, ohne die fragilen Originalhölzer zu berühren, und taucht uns ein in den Handel und die Schifffahrt von Al-Andalus.
Fotogrammetrie und Laserscanning: Die digitale Autopsie des Holzes 🛠️
Der Digitalisierungsprozess des sogenannten Barco de la Catedral (Schiff der Kathedrale) kombiniert zwei grundlegende Techniken. Zunächst die hochauflösende Fotogrammetrie, die Hunderte von konvergenten Bildern aufnimmt, um eine texturierte Punktwolke mit millimetergenauer Präzision zu erzeugen. Anschließend wird 3D-Laserscanning eingesetzt, um die Geometrie der komplexesten Teile wie Spanten und Kiel zu erfassen. Dieser digitale Zwilling ermöglicht es den Schiffsarchäologen, die Struktur virtuell zu durchschneiden, die Kupfer-Holz-Verbindungen zu analysieren und sogar das hydrodynamische Verhalten des Rumpfes zu simulieren. Im Gegensatz zur physischen Manipulation erlaubt das 3D-Modell die Untersuchung der Klinkerbauweise und der Beplankungsmontage, ohne den Verfall der Überreste zu beschleunigen, die aus einer Zeit stammen, als Sevilla ein Handelszentrum des Kalifats war. Die Forscher vergleichen diesen Fall bereits mit der digitalen Rekonstruktion des Wracks von Uluburun und betonen, dass das andalusische Holz einzigartige Daten zur Entwicklung der Nao Latina bietet.
Eine virtuelle Brücke zwischen Museum und Publikum 🌐
Über die technische Analyse hinaus stellt das Projekt eine Revolution in der Vermittlung des Kulturerbes dar. Das 3D-Modell wird es ermöglichen, eine immersive Erfahrung zu schaffen, bei der der Besucher des Archäologischen Museums Sevilla virtuell über das Deck navigieren, die simulierte Ladung von Amphoren und Waren betrachten und das Schiff sogar Stück für Stück zerlegen kann, um seinen Zusammenbau zu verstehen. Diese digitale Zugänglichkeit demokratisiert nicht nur das Wissen, sondern gewährleistet auch die Bewahrung des fragilen Erbes. Wie die Archäologen des Projekts betonen, fungiert die 3D-Technologie wie eine digitale Arche Noah, die die Erinnerung an den andalusischen Schiffbau für zukünftige Generationen bewahrt, während die Welt zusieht, wie Wissenschaft und Geschichte gemeinsam in die Vergangenheit segeln.
Welche spezifischen technischen Herausforderungen stellt die 3D-Digitalisierung eines fragmentierten und jahrhundertelang unter dem Stadtgebiet von Sevilla vergrabenen andalusischen Schiffes dar?
(PS: Wenn du an einer Ausgrabungsstätte einen USB-Stick findest, schließe ihn nicht an: Es könnte Malware der Römer sein.)