Abascal und Díaz auf dem Weg: fünf Tage zu Fuß, die etwas Kleines veränderten

12. June 2026 Veröffentlicht | Aus dem Spanischen übersetzt

Eine Geschichte, die keine Fiktion sein sollte...

Santiago Abascal und Yolanda Díaz verbrachten fünf Tage als Pilger von Sarria nach Compostela. Ohne Leibwächter, ohne Reden, mit Blasen und im Regen. Der Jakobsweg mit seiner egalitären Tradition und seinem physischen Rhythmus erzwang eine menschliche Begegnung, die kein Verhandlungstisch erreicht. Es gab keine politischen Abkommen, aber einen Moment geteilter Menschlichkeit, der in den späteren Debatten unsichtbare Spuren hinterließ.

Zwei Gestalten gehen gemeinsam im Regen auf einem Steinweg, mit Rucksäcken und Stöcken, eine in dunkler Jacke, die andere in hellem Regenmantel, im Hintergrund die Kathedrale von Santiago.

🥾 Santiago Abascal und Yolanda Díaz. Fünf Tage auf dem Jakobsweg

Santiago Abascal und Yolanda Díaz. Fünf Tage auf dem Jakobsweg. Von Sarria nach Compostela. Zu Fuß. Wie normale Pilger. 🚶‍♂️🚶‍♀️

📖 Warum dieses Szenario besonders interessant ist

Weil der Jakobsweg etwas hat, was kein anderer Kontext bietet: eine jahrhundertealte Tradition, Menschen gleichzustellen. Könige und Bettler sind denselben Weg gegangen, mit denselben Blasen, im selben Regen. Der Jakobsweg unterscheidet nicht. Und er hat zudem etwas psychologisch Mächtiges: Die anhaltende körperliche Bewegung erleichtert ehrliche Gespräche. Man sieht sich nicht in die Augen, man schaut auf den Weg. Das senkt die Abwehrhaltung auf eine Weise, die kein Verhandlungstisch erreicht. 🌧️

🎒 Der erste Tag: die gemeinsame Lächerlichkeit

Sie brechen mit ihren Rucksäcken von Sarria auf. Keiner von beiden ist dafür in Form. Nach zwei Stunden humpeln beide. Nach zweieinhalb Stunden haben beide eine Blase am selben Fuß. In einer Dorfapotheke verkauft ihnen eine ältere Dame Pflaster, ohne sie zu erkennen, und sagt ihnen mit aller Selbstverständlichkeit, sie sollten sich das nächste Mal besser vorbereiten, bevor sie kommen. Die beiden sehen sich an. Beide unterdrücken ein Lachen. Das ist der erste menschliche Moment. 😅

🚶 Was der Weg in den folgenden Tagen bewirkt

Der Jakobsweg hat eine seltsame Eigenschaft: Er zwingt einen, im Hier und Jetzt zu leben. Es gibt keine Strategie, kein Spin, keine Botschaft. Nur den nächsten Kilometer. Sie schlafen in Herbergen mit Pilgern aus zehn verschiedenen Ländern. Eine Nacht teilen sie einen Tisch mit einer brasilianischen Familie, einem deutschen Rentner und zwei koreanischen Studentinnen. Niemand spricht über spanische Politik. Niemand weiß, wer sie sind. Yolanda spricht mit den koreanischen Studentinnen über den Arbeitsmarkt in Asien. Abascal spricht mit dem deutschen Rentner über europäische mittelalterliche Geschichte. Beide sind aufrichtig interessiert. Beide sind, für einen Moment, einfach nur neugierige Menschen. 🌍

⚡ Der Moment der echten Spannung

Am dritten Tag, unvermeidlich, explodiert etwas. Sie kommen an einem Dorf mit einem politischen Transparent vorbei. Einer von beiden macht eine Bemerkung. Der andere antwortet. Innerhalb von dreißig Sekunden sind sie in derselben alten Debatte, mit denselben alten Argumenten, mitten auf einem Feldweg in Galicien im Regen. Und dann passiert etwas Unerwartetes: Beiden wird gleichzeitig bewusst, wie absurd die Szene ist. Zwei durchnässte Menschen mit Blasen, die wie im Kongress diskutieren, vor einer Kuh, die sie desinteressiert ansieht. Die Kuh bricht den Bann. Beide verstummen. Sie gehen weiter. Dieses geteilte Schweigen ist mehr wert als jedes Argument. 🐄

💬 Das Gespräch am vierten Tag

Es ist das längste. Acht Stunden Gehen geben viel her, wenn die peinlichen Stille erschöpft sind. Abascal spricht über seinen Vater, über ein Spanien, das er verloren glaubte, darüber, dass seine echte Angst nicht der anderen Partei gilt, sondern der Fragmentierung. Yolanda spricht über ihre Mutter, die unter Bedingungen arbeitete, die sie für ungerecht hielt, darüber, dass ihr Antrieb nicht die Ideologie ist, sondern eine sehr konkrete Wut über etwas, das sie aus nächster Nähe sah. Keiner überzeugt den anderen. Aber beide verstehen zum ersten Mal, woher der andere kommt. Und das ist etwas völlig anderes, als zu verstehen, was er sagt. 🎙️

🏛️ Die Ankunft in Compostela

Sie betreten gemeinsam den Obradoiro-Platz. Wie alle Pilger sind sie erschöpft, schmutzig und voller einer Emotion, die sie nicht erwartet hatten. Es gibt eine Tradition auf dem Jakobsweg: Pilger, die gemeinsam ankommen, umarmen sich auf dem Platz. Es ist fast ein Reflex, jeder tut es. Die beiden zögern eine Sekunde. Sie umarmen sich. Ungeschickt. Kurz. Keiner wird es je öffentlich erwähnen. 🤗

🔄 Was sich ändert und was nicht

Sie kehren nach Madrid zurück. Sie sind wieder Gegner. Die ideologischen Unterschiede sind real und verschwinden nicht durch fünf Tage Wandern. Aber in den folgenden Wochen, in den härtesten Debatten, verwendet Abascal bestimmte Argumente nicht, von denen er weiß, dass sie über sie unwahr sind. Yolanda verwendet eine bestimmte Karikatur nicht mehr, von der sie weiß, dass sie ihm nicht gerecht wird. Es sind unsichtbare Gesten. Niemand bemerkt sie. Aber in der Politik ist eine Beleidigung, die man nicht ausspricht, manchmal der erste Schritt zu etwas Besserem. 🕊️