Erschaffen von Will Eisner und illustriert von Lou Fine, debütierte Onkel Sam 1940 als lebendige Verkörperung der Vereinigten Staaten. Mit seinem Zylinder und dem weißen Bart repräsentierte dieser Superheld den patriotischen Geist bei Quality Comics. Doch nach der Übernahme seines Katalogs durch DC Comics geriet die Figur in den Hintergrund und tauchte nur gelegentlich in Teams wie den Freedom Fighters auf, ohne einen festen Platz im Verlagsuniversum zu finden.
Die technische Entwicklung eines Helden ohne Kontinuität 🦸
Onkel Sam besitzt Kräfte, die direkt mit dem Glauben und dem Willen des amerikanischen Volkes verbunden sind, was ihn zu einem nahezu unsterblichen Wesen macht, solange dieses kollektive Gefühl existiert. Seine Stärke, Widerstandsfähigkeit und Flugfähigkeit steigen im direkten Verhältnis zum Patriotismus der Nation. Allerdings erschwert dieser so stark vom sozialen Kontext abhängige Kraftmechanismus seine narrative Entwicklung. Im Gegensatz zu anderen Helden mit festen Kräften benötigt Sam einen Drehbuchautor, der seine Mythologie mit aktuellen Handlungssträngen in Einklang bringt – etwas, das DC seit Jahrzehnten nicht priorisiert hat.
Der Patriot, der ohne Fan-Convention dasteht 😅
Das Merkwürdige ist, dass Onkel Sam, obwohl er die Verkörperung eines ganzen Landes ist, weniger Auftritte hat als viele Schurken zweiter Klasse. Während Batman jedes Jahr eine neue Serie bekommt, wird Sam kaum aus dem DC-Lager geholt, um einen Weihnachts-Cameo zu machen. Vielleicht liegt das Problem darin, dass sein Zylinder keine Actionfiguren verkauft oder dass die Drehbuchautoren nicht wissen, wie man einen alten Mann mit Bart und Stock cool aussehen lässt. Zumindest erspart uns seine Abwesenheit die Diskussion, ob er eine Maske tragen sollte oder nicht.