
Der 3D-Scanner als Detektiv der Kunst
Wenn die Authentizität eines alten Gemäldes in Zweifel gezogen wird, kommt die moderne Technologie ins Spiel. Die Gutachter beschränken sich nicht mehr nur auf die Analyse von Pinselstrichen oder Pigmenten; nun untersuchen sie das Trägermaterial selbst. Ein 3D-Strukturlichtscanner, wie das Modell Lucida, wird zum entscheidenden Werkzeug, um die Rückseite der Leinwand mit beispielloser Präzision zu inspizieren. 🔍
Die Fingerabdruck des Leinwands erfassen
Der Prozess beginnt mit dem Scannen der Rückseite des Gewebes. Dieses Gerät projiziert ein Lichtmuster auf das Gewebe und zeichnet dessen Verformung auf, wodurch ein exaktes dreidimensionales Modell mit mikrometrischer Auflösung erzeugt wird. Es dokumentiert jedes Detail: die Webstruktur, die Dichte der Fäden und den Winkel, in dem sie sich kreuzen. Diese digitale Datei dient als objektiver und unveränderlicher Beweis für die physische Topografie des Trägermaterials.
Schlüsseldaten, die der Scanner erfasst:- Die vollständige Topografie und das Relief des Gewebes.
- Die exakte Dichte der Kett- und Schussfäden.
- Der charakteristische Kreuzungswinkel des Gewebeknüpfens.
Das Muster des Gewebes ist der einzigartige Fingerabdruck einer historischen Leinwand.
Das Modell verarbeiten, um das versteckte Muster zu enthüllen
Das erfasste 3D-Modell ist nicht das Endergebnis. Es wird in Metrologie-Software wie GOM Inspect importiert, um die Oberfläche zu glätten und das Gewebemuster mathematisch zu isolieren. Anschließend werden mit Umgebungen wie MATLAB oder Python Computer-Vision-Algorithmen ausgeführt. Filter und Fourier-Transformationen werden angewendet, um die erfasste physische Textur in ein klare und analysierbare digitale Muster umzuwandeln, das die dominanten Frequenz und Orientierung definiert.
Schritte in der digitalen Verarbeitung:- Die 3D-Oberfläche glätten, um Leinwandkrümmungen zu eliminieren.
- Algorithmen anwenden, um das Signal des Textilmusters zu isolieren.
- Spektralanalyse (Fourier) verwenden, um Frequenz und Orientierung zu quantifizieren.
Mit der Geschichte abgleichen, um die Wahrheit zu enthüllen
Das extrahierte Muster, nun eine digitale Signatur, wird mit einer historischen Datenbank von Geweben aus der Epoche und Region verglichen, der das Werk zugeschrieben wird. Wenn Metriken wie die Fadendichte oder der Bindungstyp nicht zu den dokumentierten Standards passen, wird die Leinwand als anachronistisch markiert. Diese technische Diskrepanz ist ein starker Hinweis auf Fälschung, da es für einen Fälscher eine fast unüberwindbare Barriere ist, einen historischen Stoff mit dem exakten Muster zu reproduzieren oder zu beschaffen. So könnte die Rückseite eines Meisterwerks nächstes Mal eine ganz andere Geschichte erzählen als die, die die Signatur auf der Vorderseite suggeriert. 🖼️