
Das Auditorium von Teneriffa: ein ikonisches Design, das nie vollendet wurde
Das Auditorium von Teneriffa Adán Martín dominiert den Horizont von Santa Cruz mit seiner unverkennbaren Silhouette. Seine gekrümmte Abdeckung, die viele als Welle oder Flügel interpretieren, ist das visuelle Markenzeichen der Stadt. Wenige wissen jedoch, dass das Gebäude, das heute errichtet ist, nur einen Bruchteil der architektonischen Vision darstellt, die Santiago Calatrava entwarf und die 1991 einen Preis gewann. 🏗️
Das Originalprojekt: Symmetrie und Gleichgewicht
Calatravas anfängliche Idee präsentierte eine perfekt symmetrische Komposition. Die berühmte Abdeckung, die wir heute kennen, wäre mit einer zweiten identischen Struktur gepaart gewesen. Diese zwillingsgleiche Visiera war nicht dafür gedacht, sich zu bewegen, sondern als visuelles und formales Gegengewicht zu wirken und das architektonische Gestus harmonisch abzuschließen. Das Konzept strebte ein Gleichgewicht an, das über die bloße Funktionalität hinausging.
Schlüssellemente des preisgekrönten Designs:- Zwei große strukturelle Flügel, identisch in Form und Größe.
- Eine geschlossene und ausgewogene Komposition, in der jede Partie die andere ergänzte.
- Eine feste Visiera, die das ikonische Bild vervollständigte, jenseits ihres praktischen Nutzens.
Das zwischen 1997 und 2003 gebaute Auditorium repräsentiert nur einen Teil der ursprünglichen Idee des Architekten.
Die gebaute Realität: Budget vs. Vision
Während des Prozesses zur Umsetzung des Baus zwangen die wirtschaftlichen Einschränkungen dazu, das Projekt neu zu überdenken. Die endgültige Entscheidung war, den zweiten symmetrischen Flügel vollständig zu streichen. Dies veränderte die strukturelle und formale Vorschlag radikal und führte zum asymmetrischen Profil, das heute die Stadt definiert. Obwohl das Innere des Auditoriums optimal funktioniert, mit seinen zwei Hauptsälen und exzellenter Akustik, bleibt das Gebäude aus rein gestalterischer Sicht unvollendet.
Folgen der Modifikation des Designs:- Der visuelle Ausgleich und die ursprüngliche kompositive Intention gingen verloren.
- Das Gebäude wandelte sich von einer geschlossenen Form zu einem offenen und asymmetrischen Gestus.
- Es entstand ein Kontrast zwischen seinem funktionalen Erfolg und seiner strukturellen Unvollständigkeit im Vergleich zu den Plänen.
Ein Symbol mit einem Flügel weniger
Diese Geschichte erklärt, warum, obwohl es zum unbestrittenen Symbol Teneriffas geworden ist, immer das Gefühl besteht, dass dem Auditorium etwas fehlt. Manche sagen, dass, wenn starker Wind vom Meer her weht, die Struktur versucht, diesen begleitenden Flügel zu entfalten, der nie gebaut wurde. So bleibt das Auditorium von Teneriffa ein mächtiger Mahner daran, wie praktische Zwänge die ganzheitliche Vision eines Künstlers formen und sogar verkürzen können. 🌀