Nach der russischen Invasion in die Ukraine hat Europa seine Entflechtung vom russischen Gas über Pipelines beschleunigt und diese Abhängigkeit um zwei Drittel reduziert. Allerdings hat dieser Übergang zu einer neuen und bedeutenden Abhängigkeit geführt: dem verflüssigten Erdgas (LNG) aus den USA. Bis 2025 wird geschätzt, dass dieses Angebot mehr als die Hälfte der europäischen LNG-Importe ausmachen wird, was Debatten über die strategische Autonomie des Kontinents auslöst.
Kritische Infrastruktur: das Rennen um Regasifikations-Terminals ⚙️
Der Ersatz des russischen Gases erforderte einen schnellen Ausbau der Infrastruktur. Mehrere EU-Länder haben den Bau und die Anpassung von Regasifikations-Terminals beschleunigt, um LNG per Schiff zu empfangen. Diese Terminals, wie das in Wilhelmshaven in Deutschland oder das in Eemshaven in den Niederlanden, ermöglichen das Entladen, Lagern und Umwandeln des verflüssigten Gases in den gasförmigen Zustand für die Einspeisung ins Netz. Die europäische Importkapazität für LNG ist in kurzer Zeit erheblich gewachsen.
Das Freiheitsgas: Von Wladimir zu Uncle Sam? 🇺🇸
Es scheint, als ob die geopolitische Lektion nur halb gelernt wurde. Wir haben die Abhängigkeit vom Gas, das aus dem Osten durch Rohre kam und politischen Launen unterworfen war, gegen die Abhängigkeit vom Gas eingetauscht, das aus dem Westen per Schiff ankommt und Marktdynamiken sowie transatlantischen Politiken unterliegt. Die Energieunabhängigkeit wird zu einem Musical-Stuhl-Spiel, bei dem, wenn die Musik stoppt, immer auf dem Schoß einer Supermacht landest. Wenigstens haben die Unterbrechungen jetzt das Logo eines Unternehmens mit einem eingängigen Slogan.