Eine mineralogische Studie der berühmten paläolithischen Statuette, bekannt als Venus von Willendorf, hat aufschlussreiche Daten ergeben. Die Analyse des Materials bestätigt, dass das oolithische Gestein, aus dem sie geschnitzt wurde, nicht lokal ist. Ihre Herkunft wird etwa 730 Kilometer entfernt, in einem Gebiet nördlich von Italien, verortet. Dieser Fund beweist die Existenz von Migrationsbewegungen oder massiven Austauschnetzwerken in Europa vor etwa 25.000 Jahren.
Tomographie und Spektrometrie zur Verfolgung der Reise eines Gesteins 🔍
Die in Scientific Reports veröffentlichte Forschung basierte auf zerstörungsfreien Hochpräzisionstechniken. Es wurde eine Mikrocomputertomographie eingesetzt, um die innere Struktur der Statuette zu untersuchen. Anschließend wurden die Proben mittels Spektrometrie mit Daten von Gesteinen aus ganz Europa verglichen. Das Muster der Ooide, kugelförmige Karbonatkörner, war entscheidend. Es stimmte mit Proben aus einer Lagerstätte am Gardasee in Italien überein, wodurch andere mögliche Ursprünge ausgeschlossen wurden. Diese Methodik eröffnet einen Weg, die Bewegung von Materialien und prähistorischen Menschengruppen nachzuvollziehen.
Der erste internationale Auftrag in der Geschichte der Kunst 🗿
Dies zwingt uns, die Logistik des Paläolithikums neu zu überdenken. Jemand hat entweder diesen besonderen Steinbrocken über Hunderte von Kilometern geschleppt oder ein primitives, aber effektives Handelssystem etabliert. Stell dir den Künstler vor: Ich brauche das Oolithgestein vom Gardasee, das von hier hat nicht den gleichen Glanz. Es scheint, dass die Materialauswahl bereits ein ernstes Thema war, noch vor der Keramik. Die Statuette ist nicht nur ein Kunstwerk, sie ist ein Zeugnis einer Beschaffungsleistung, die uns heute ohne Kurierdienste als Meisterleistung erscheint.