Das Casal Solleric in Palma beherbergt eine Ausstellung, die das Werk von Donna Ferrato zeigt, einer Fotografin, die ihre Kamera in ein Werkzeug der Anklage verwandelte. Nachdem sie 1979 miterlebte, wie ein Mann eine Freundin schlug, hielt Ferrato diesen Moment fest und widmete ihr Leben der Dokumentation des Kreislaufs des Missbrauchs. Ihr Buch Living with the Enemy (1991) zeigte ungefiltert die Realität misshandelter Frauen und verband über vier Jahrzehnte hinweg Aktivismus mit visuellem Zeugnis.
Der Blitz als Zeuge: Technik und Ethik in der visuellen Anklage 📸
Ferrato arbeitete mit tragbaren Blitzgeräten und hochempfindlichem Filmmaterial, um Szenen in dunklen Innenräumen einzufangen, ohne die Dynamik des Augenblicks zu verändern. Ihr Ansatz priorisierte den kontinuierlichen Zugang zu den Häusern und erreichte eine Intimität, die es ermöglichte, sowohl die Gewalt als auch die ruhigen Phasen zu dokumentieren. Die Verwendung von Weitwinkelobjektiven und einer kurzen Brennweite erforderte, dass sie sich nahe an den Motiven aufhielt, was ethische Dilemmata darüber aufwarf, wann einzugreifen sei. Ihr Archiv, digitalisiert und katalogisiert von Institutionen wie dem ICP in New York, kombiniert Negative, Kontaktabzüge und handschriftliche Notizen, die den Prozess der Bildbearbeitung und -auswahl dokumentieren.
Wenn die Kamera keine Pausentaste hat ⚡
Ferrato entdeckte, dass das Fotografieren häuslicher Gewalt nicht wie das Abdecken einer Hochzeit war: Hier konnte man die Gäste nicht bitten, lächelnd zu posieren. Ihr Trick, um nicht entdeckt zu werden, bestand darin, aus der Hüfte zu schießen, während sie vorgab, den Fokus einzustellen – eine Technik, die sie so sehr beherrschte, dass einige Täter glaubten, sie justiere das Objektiv. Das Ironischste daran ist, dass mehrere von ihnen nach der Veröffentlichung des Buches Kopien der Fotos von ihr verlangten, um sie ihren Freunden zu zeigen, wie jemand, der mit einer Jagdtrophäe prahlt.